- Der Bildstock -

 

 Das Jubiläums-Geschenk anlässlich des 75-jährigen Bestehens der

 St. Hubertus-Schützenbruderschaft an die Rektoratsgemeinde Uedemerbruch

Etwa sechzig Jahre lang hatte ein wenig beachtetes, aber wertvolles Kunstwerk hinter der Rektoratskirche Zur Heiligen Familie in Uedemerbruch seinen angestammten Platz: Ein Relief in den Maßen 75 x 67 x 26 cm mit der Darstellung der Heiligen Familie von Nazareth, ein Werk des bekannten Gocher Bildschnitzers Ferdinand Langenberg aus der Zeit um 1900. Es bietet einen Einblick in die Werkstatt des Hl. Joseph. Der Raum verläuft über die ganze Fläche. Joseph (rechts vom Betrachter aus gesehen) arbeitet an seiner Werkbank, die sich in der Mitte des Raumes befindet. Er hat ein Werkstück in seine Hobelbank eingespannt. Mit dem Beitel und dem Hammer bearbeitet er dieses. Er trägt leicht gewelltes Haar und Bart und ein langes gegürtetes Gewand. Maria, auf einem Sessel sitzend, arbeitet an einer Spindel und hält in ihren beiden Händen den Faden. Sie trägt ein langes Untergewand mit einem Umhang und ein Kopftuch. Der Knabe Jesus sitzt auf einem Schemel vor ihren Füßen und hält das Kreuz. Er trägt ein langes Kleid.Auf dem Boden liegen Hobelspäne, Hammer und Zange. An der rechten Wand sieht man ein Regal mit seinen Werkzeugen: Säge, Hobel und Beitel. An der Raumrückwand wird der Blick auf zwei spitzbogige Bleifenster freigegeben. In der Mitte der beiden Fenster hängt ein kleiner Flügelaltar. Durch das linke Fenster schaut man in einen Garten mit Lilien. Links hinter Maria ist eine verschlossene Tür mit verzierten Scharnieren. Der ursprüngliche Besitzer des Reliefs, H. Haas aus Kleve, vermachte das Relief der Rektoratsgemeinde Uedemerbruch, die bekanntlich seit ihrer Gründung im Jahre 1897 unter dem Patronat der Heiligen Familie steht. Der im Januar dieses Jahres verstorbene Schützenbruder Jakob Hellmann konnte sich noch daran erinnern, dass dieses Relief während des Zweiten Weltkrieges in einer Nische der Choraußenwand eingemauert wurde. Hier fristete das Bildwerk seitdem ein Dornröschen-Dasein. Das „Versteck“ hatte einen Vorteil: das Kunstwerk im Nazarenerstil blieb von den Bilderstürmen der wilden 50er und 60er Jahre verschont. Aber dort war das Gips-Relief auch voll den Witterungseinflüssen ausgesetzt und deswegen zuletzt in einem desolaten Zustand. Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat suchten seit einiger Zeit nach einer durchgreifenden Lösung des Problems, scheiterten jedoch an der Kostenfrage. In dieser Situation fanden sich aktive Schützenbrüder, die sich bereit erklärten, die Sanierung des Reliefs sowie den Bau eines Bildstocks auf dem Kirchplatz finanziell bzw. durch Hand- und Spanndienste zu ermöglichen. Daraufhin beschloss der geschäftsführende Vorstand der St. Hubertus-Schützenbruderschaft am 02. Juni 1999, der Rektoratsgemeinde Uedemerbruch folgendes Angebot zu machen:

1.

Ausbau des Reliefs und Schließung der Choraußenwand

2.

Konservierung und Restaurierung des Bildwerks nach dem Kostenvoranschlag der Diplom-Restauratorin Susanne Maubach, Goch-Hülm, vom 11.05.1999

3.

Errichtung eines Bildstockes zur witterungsgeschützten Unterbringung des sanierten Reliefs auf dem Gelände zwischen Kirche und altem Pfarrhaus.

Die Bruderschaft verstand ihr Angebot als Geschenk  anlässlich ihres 75jährigen Bestehens an die Rektoratsgemeinde zur Heiligen Familie Uedemerbruch. Die Initiative der St. Hubertus Schützenbruderschaft wurde von den Gremien der Kirchengemeinde und von der Bevölkerung allgemein begrüßt, weil das Relief aus künstlerischen und kunsthistorischen Gründen wertvoll ist und ein schönes Ausstattungsstück der Kirche darstellt.

Ein weiterer Grund, das Relief mit der Darstellung der Heiligen Familie zu restaurieren und in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken, ist in die Zukunft gerichtet. In einem Vortrag zum Thema „Die Zukunft der Familie“ stellte Professor Dr. Rudolf Eickelpasch, Münster, Mitte vorigen Jahres in Recklinghausen fest: „Die Familien gehören auf die rote Liste der bedrohten Lebensformen." Der Soziologe begründet seine provokativ klingende These: Die strukturelle Rücksichtslosigkeit des Marktes gegenüber Ehe und Familie sei die Hauptursache für die Krise der heutigen Familie. Die Erfordernisse der Marktgesellschaft würden sich am „vollmobilen“ Single orientieren. In Deutschland sei es äußerst schwierig, Familie und Beruf zu vereinbaren.

In unserer Gesellschaft zeichnet sich zwar nicht das Ende der Familie ab, wohl aber ein tiefgreifender Wandel der familiären Lebensformen. Die „Normalfamilie“ ist nach wie vor die am stärksten vertretene Familienform. Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr Ein-Eltern-Familien, nicht-eheliche Lebensgemeinschaften, sogenannte „Fortsetzungsehen“ und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Fundamental unterschiedliche Lebensformen kann man aber nicht über einen Kamm scheren. In ihrem Hirtenwort zum Familiensonntag 1999 schrieben die deutschen Bischöfe, es sei schädlich für die Menschen und von Grund auf zerstörerisch für die Gesellschaft, die wesenhafte Bedeutung von Ehe und Familie zu bestreiten. Die Folgen dieser besorgniserregenden Entwicklung seien allenthalben sichtbar, die Leidtragenden vor allem die Kinder und Jugendlichen.

Auch diese prinzipiellen Überlegungen haben die Bruderschaft seinerzeit bewogen, das Relief mit der Darstellung der Heiligen Familie von Nazareth zu neuen Ehren zu bringen. Bei seinem Besuch in Nazareth sagte Papst Paul VI. (+ 1978): „Das Haus von Nazareth ist eine Schule des Evangeliums. Hier lernen wir, wie wichtig das häusliche Leben ist. Nazareth gemahne uns an das, was eine Familie ist, an ihre Gemeinschaft in der Liebe, an ihre Würde, ihre strahlende Schönheit, ihre Herzlichkeit und Unverletzlichkeit, an ihre durch nichts zu ersetzende Bedeutung. Nazareth lehre uns, welche Aufgabe die Familie ihrer Natur nach in der Ordnung der Gesellschaft hat.“

Die Errichtung des Bildstocks mit der Darstellung der Heiligen Familie von Nazareth und seine Einsegnung am Kirmesmontag 2000 sind Ausdruck unseres Wunsches, dass den Uedemerbrucher Familien stets ein partnerschaftliches, glückliches, ja christliches Miteinander gelingen möge. (hg)

 

Das Relief der Heiligen Familie an seinem ursprünglichen Platz in der Kirchenmauer

 

 

 

Zeittafel der Bildstockerstellung

 

02.06.1999

Beschluß zur Errichtung des Bildstocks

03.08.1999

Ausbau des Reliefs am alten Standort (Foto rechts)

 April  2000

Beginn der Erd- und Maurerarbeiten

09.05.2000

Grundsteinlegung

16.05.2000

Aufbringung der Natursteinplatte und Erdarbeiten am Kabelnetz

26.05.2000

Richtfest

06.07.2000

Fertigstellung der Dachkonstruktion und Einsetzen des restaurierten Reliefs

10.07.2000

Schützenmesse und Segnung des Bildstocks

 

                

Diese Zeichnung des Bildstockes zur Aufnahme des restaurierten Reliefs wurde von Initiator Präses Heinrich Geurtz höchstpersönlich entworfen und war die Grundlage für ein besonderes Bauwerk in Uedemerbruch.